Muskelerkrankungen beim Pferd und die Rolle der Ernährung

Die Muskulatur des Pferdes ist ein wesentlicher Bestandteil des Bewegungsapparates und ermöglicht die Fortbewegung. Wenn die Muskeln nicht optimal funktionieren oder wenn Störungen in den Prozessen auftreten, die an der Muskelarbeit beteiligt sind, wirkt sich dies unmittelbar auf die Bewegung sowie auf die allgemeine Gesundheit des Pferdes aus.

Beim Pferd kommen verschiedene Muskelerkrankungen vor. Die Ursachen sind unterschiedlich, doch bei einigen Erkrankungen spielt die Fütterung sowohl bei der Entstehung als auch im Management eine Rolle.

In diesem Blog besprechen wir die häufigsten Muskelerkrankungen beim Pferd und den Einfluss der Ernährung darauf.


Die Muskulatur des Pferdes ist ein wesentlicher Bestandteil des Bewegungsapparates und ermöglicht die Fortbewegung. Wenn die Muskeln nicht optimal funktionieren oder wenn Störungen in den Prozessen auftreten, die an der Muskelarbeit beteiligt sind, wirkt sich dies unmittelbar auf die Bewegung sowie auf die allgemeine Gesundheit des Pferdes aus.

Beim Pferd kommen verschiedene Muskelerkrankungen vor. Die Ursachen sind unterschiedlich, doch bei einigen Erkrankungen spielt die Fütterung sowohl bei der Entstehung als auch im Management eine Rolle.

In diesem Blog besprechen wir die häufigsten Muskelerkrankungen beim Pferd und den Einfluss der Ernährung darauf.



PSSM1 und PSSM2

Die Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) ist eine Muskelerkrankung, bei der sich Glykogen, das in den Muskelzellen gespeichert wird, abnormal anreichert 1. Diese Ansammlung von Zuckermolekülen in den Muskelzellen führt dazu, dass die gespeicherte Energiequelle in Form von Glykogen den Muskeln nicht ausreichend zur Verfügung steht. Dies kann während der Belastung zu Problemen führen und Anfälle von Kreuzverschlag verursachen.

Für die Muskelarbeit wird Energie benötigt. Pferde gewinnen diese Energie aus Nährstoffen wie Zucker, Stärke, Fasern und Fetten. Bei einem Überschuss an Zucker und Stärke wird ein Teil davon in Glykogen umgewandelt und in den Muskelzellen gespeichert 2. Sinkt der Blutzuckerspiegel – beispielsweise während der Arbeit – kann Glykogen wieder in Glukose umgewandelt werden, um Körper und Muskeln mit Energie zu versorgen. Bei Pferden mit PSSM ist dieser Speicherprozess gestört.

Es gibt zwei Formen: PSSM Typ 1 und PSSM Typ 2. Das klinische Erscheinungsbild ist bei beiden Formen ähnlich, jedoch ist PSSM1 erblich bedingt 3. Typ 1 wird durch eine Mutation im Gen der Glykogensynthase verursacht.

PSSM1 kommt in verschiedenen Rassen vor, zeigt jedoch eine besonders hohe Prävalenz bei Rassen wie dem Belgisches Kaltblut 4. PSSM2 tritt bei unterschiedlichen Pferderassen auf.

Mögliche Symptome sind geringe Leistungsbereitschaft, Widerwillen vorwärtszugehen, Muskelsteifheit, starkes Schwitzen, Muskelabbau und Muskelzittern.

Die Diagnose kann mittels Muskelbiopsie gestellt werden, da hierdurch eine Glykogenanreicherung im Muskel nachgewiesen werden kann. PSSM1 kann zusätzlich durch einen Gentest bestätigt werden 3. Für PSSM2 ist derzeit kein zuverlässiger Gentest verfügbar. Ein Gentest zur Feststellung von PSSM2 gilt daher aktuell als nicht zuverlässig.

Eine Heilung von PSSM ist derzeit nicht möglich. Ein angepasstes Fütterungs- und Trainingsmanagement ist jedoch entscheidend, um Schübe zu reduzieren und das Pferd bestmöglich zu unterstützen.

Aufgrund der gestörten Glykogenspeicherung ist es wichtig, den Zucker- und Stärkegehalt in der Ration deutlich zu reduzieren 5. Die Grundlage bildet Raufutter mit niedrigem Zucker- und Stärkegehalt. Eine Raufutteranalyse kann helfen, die entsprechenden Werte zu bestimmen. Da Raufutter allein den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen nicht vollständig deckt, empfiehlt sich die Ergänzung durch einen Mineralfutter-Balancer oder ein Vitamin- und Mineralstoffpräparat. Zudem haben Pferde mit PSSM einen erhöhten Bedarf an Vitamin E, weshalb eine Supplementierung empfohlen wird 6. Regelmäßige, angepasste Bewegung ist ebenfalls wichtig. Die Trainingsintensität sollte jedoch moderat gehalten werden 7.

Recurrent Exertional Rhabdomyolysis

Die Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER) ist eine wiederkehrende Muskelerkrankung, bei der die Regulation des Kalziumhaushalts innerhalb der Muskelzellen gestört ist 8. Kalzium ist essenziell für die Muskelkontraktion. Bei Pferden mit RER ist diese Regulation beeinträchtigt (nicht durch einen Fütterungsmangel verursacht), wodurch es zu anhaltenden Muskelkontraktionen, Krämpfen und Schmerzen kommt 9. Zusätzlich wird der Energiestoffwechsel der Muskeln gestört, die Mitochondrien werden geschädigt und Muskelzellen können beschädigt werden 10. Die Erkrankung ist komplex; genetische Faktoren sowie Stress oder zu intensive Trainingsbelastung scheinen eine Rolle zu spielen. Die genaue Ursache ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Symptome sind Muskelsteifheit, harte und schmerzhafte Muskulatur infolge von Muskelschäden, erhöhte Atemfrequenz, starkes Schwitzen sowie Bewegungsunlust oder -verweigerung 9.

Auch hier bildet Raufutter die Basis der Ration. Im Vergleich zu PSSM ist der Zucker- und Stärkegehalt weniger entscheidend 6. Dennoch wird empfohlen, Zucker- und Stärkegehalte niedrig zu halten und übermäßige Mengen zu vermeiden, da hohe Anteile das Temperament beeinflussen können. Da Stress ein Auslöser für RER-Schübe sein kann, empfiehlt sich eine Ration mit maximal 20 % Zucker und Stärke 6. Zur Deckung eines erhöhten Energiebedarfs können pflanzliche Öle wie Leinöl eingesetzt werden. Ein Mineralfutter-Balancer oder Vitamin- und Mineralstoffpräparat wird ebenfalls empfohlen.

Myofibrilläre Myopathie (MFM)

Muskelzellen bestehen aus Myofibrillen, die für die Kontraktion verantwortlich sind. Diese sind normalerweise geordnet ausgerichtet. Das Protein Desmin sorgt für diese Struktur.

Bei der Myofibrillären Myopathie (MFM) kommt es zu einer abnormalen Anreicherung von Desmin im Muskel 11. Dadurch verklumpen die Myofibrillen und ihre geordnete Struktur geht verloren 12. Dies führt zu Symptomen wie Muskelsteifheit und Bewegungsunlust.

MFM ist eine relativ neu beschriebene Erkrankung beim Pferd 13. Sie tritt vor allem bei Warmblütern und Arabern auf. Früher wurden betroffene Pferde häufig als PSSM2 diagnostiziert, da sich Glykogen zwischen den verklumpten Myofibrillen ansammelt 11 14. Heute weiß man, dass die zugrunde liegende Ursache eine andere ist und diese Erkrankung unter MFM und nicht unter PSSM2 eingeordnet wird.

Die Diagnose erfolgt mittels Muskelbiopsie. Da derzeit noch viel Forschung betrieben wird, kann mit dem aktuellen Wissensstand nicht gesagt werden, ob die Erkrankung genetisch bedingt ist. Ein Gentest wird daher nicht empfohlen, da er keine sichere Diagnose ermöglicht.

For horses with MFM, it is important that the ration contains sufficient high-quality protein¹¹. To support the body and because oxidative stress is likely to play a role in this condition, adding antioxidants to the ration is advisable¹¹. Nutrients with antioxidant functions include vitamin E, vitamin C, and MSM.

Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HYPP)

Die Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HYPP) ist eine genetische Muskelerkrankung, die vor allem bei Rassen wie dem American Quarter Horse, dem American Paint Horse und dem Appaloosa vorkommt 15. Bei HYPP ist der Natriumtransport in die und aus den Muskelzellen gestört. Dies führt zu erhöhten Kaliumwerten im Blut, wodurch die Muskeln schneller kontrahieren als normal 16. Dies verursacht unkontrollierte Muskelkontraktionen und Zittern 16. Die Symptome variieren je nach Pferd und Schweregrad der Erkrankung. Häufige Anzeichen sind Muskelzittern, starkes Schwitzen, allgemeine Schwäche, Gähnen oder Schwäche der Hinterhand. In schweren Fällen kann auch die Atmung betroffen sein, was sich in lauter Atmung äußert 15. Stress oder eine kaliumreiche Fütterung können Anfälle begünstigen.

Da HYPP genetisch bedingt ist, erfolgt die Diagnose mittels Gentest. Dabei wird festgestellt, ob die spezifische Mutation vorliegt und ob das Pferd heterozygot (ein Allel) oder homozygot (zwei Allele) ist 15.

Die Ration sollte nicht mehr als 1 % Kalium enthalten. Auch hier bildet kaliumarmes Raufutter die Basis 6. Ergänzend können ein Mineralfutter-Balancer oder Vitamin- und Mineralstoffpräparate eingesetzt werden. Zur Energieversorgung können pflanzliche Öle wie Leinöl dienen. Bei der Gabe von Elektrolyten – insbesondere im Sommer bei vermehrtem Schwitzen – ist Vorsicht geboten, da diese in der Regel Kalium enthalten.

Atypische Myopathie

Die Atypische Myopathie (AM) ist eine lebensbedrohliche Muskelerkrankung, die durch die Aufnahme des Toxins Hypoglycin A (HGA) entsteht. Pferde nehmen dieses Gift durch das Fressen von Blättern, Samen oder Keimlingen von Ahornbäumen auf. Lesen Sie mehr über AM im Blog: Atypische Myopathie: Ursache, Behandlung und Prävention.

 

Referenzen

1.           Naylor, R.J. (2015) Polysaccharide storage myopathy – the story so far. Equine Vet Educaction, 27(8):414-419.

2.           Hollands, T., Drury, L. (2023) Chapter 12 - Feeding the Performance Horse. In: Hollands, T., Drury, L. Evidence Based Equine Nutrition A Practical Approach For Professionals. CAB International.

3.           Finno, C.J. (2025) Genetics of Muscle Disease. Veterinary Equine Clinic, 41:17-29.

4.           McCue, M.E., Valberg, S.J., Lucio, M., Mickelson, J.R. (2008) Glycogen Synthase 1 (GYS1 ) Mutation in Diverse Breeds with Polysaccharide Storage Myopathy. Journal of Veterinary Internal Medicine, 22(5): 1228-1233.

5.           Pagan, J.D., Valberg, S.J. (2020) Feeding Performance Horses with Myopathies. AAEP Proceedings, 66:66-74.

6.           Urschel, K.L., McKenzie, E.C. (2021) Nutritional Influences on Skeletal Muscle and Muscular Disease. Veterinary Equine Clinic, 37:139-175.

7.           Williams, Z.J., Bertels, M., Valberg, S.J. (2018) Muscle glycogen concentrations and response to diet and exercise regimes in Warmblood horses with type 2 Polysaccharide Storage Myopathy. PLOS One, 13(9):1-17.

8.           McKenzie, E.C., Valberg, S.J., Godden, M,G., Pagan, J.D., MacLeay, J.M., Geor, R.J., Carlson, G.P. (2003) Effect of Dietary Starch, Fat, and Bicarbonate Content on Exercise Responses and Serum Creatine Kinase Activity in Equine Recurrent Exertional Rhabdomyolysis. J Vet Intern Med, 17:693-701.

9.           Valberg, S.J. (2025) Sporadic and Recurrent Exertional Rhabdomyolysis. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 41(1):111-124.

10.         Barrey, E., Jayr, L., Mucher, E., Gospodnetic, S., Joly, F. (2011) Transcriptome analysis of muscle in horses suffering from recurrent exertional rhabdomyolysis revealed energetic pathway alterations and disruption in the cytosolic calcium regulation. Animal Genetics, 43: 271-281.

11.         Pratt-Philips S. (2025) Nutritional considerations for equine myopathies. UK-VET Equine, 9(5):198-203.

12.         Williams, Z.J., Velez-Irizarry, D., Petersen, J.L., Ochala, J., Finno ,C.J., Valberg, S.J. (2020) Candidate gene expression and coding sequence variants in Warmblood horses with myofibrillar myopath. Equine Veterinary Journal, 53(2):306-315.

13.         Valberg, S.J., Nicholson, A.M., Lewis, S.S., Reardon, R.A., Finno, C.J. (2017) Clinical and histopathological features of myofibrillar myopathy in Warmblood horses. Equine Veterinary Journal, 49(6).

14.         Valberg, S.J., McKenzie, E.C., Eyrich, L.V., Shivers, J., Barnes, N.E., Finno, C.J. (2016) Suspected myofibrillar myopathy in Arabian horses with a history of exertional rhabdomyolysis, 48(5): 548-556.

15.         Finno, C.J., Spier, S.J., Valberg, S.J. (2009) Equine diseases caused by known genetic mutations. Veterinary Journal, 179(3):336-347.

16.         Naylor, J.M. (1994) Equine hyperkalemic periodic paralysis: Review and implications. The Canadian Veterinary Journal, 35(5):279-285.






PSSM1 und PSSM2

Die Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) ist eine Muskelerkrankung, bei der sich Glykogen, das in den Muskelzellen gespeichert wird, abnormal anreichert 1. Diese Ansammlung von Zuckermolekülen in den Muskelzellen führt dazu, dass die gespeicherte Energiequelle in Form von Glykogen den Muskeln nicht ausreichend zur Verfügung steht. Dies kann während der Belastung zu Problemen führen und Anfälle von Kreuzverschlag verursachen.

Für die Muskelarbeit wird Energie benötigt. Pferde gewinnen diese Energie aus Nährstoffen wie Zucker, Stärke, Fasern und Fetten. Bei einem Überschuss an Zucker und Stärke wird ein Teil davon in Glykogen umgewandelt und in den Muskelzellen gespeichert 2. Sinkt der Blutzuckerspiegel – beispielsweise während der Arbeit – kann Glykogen wieder in Glukose umgewandelt werden, um Körper und Muskeln mit Energie zu versorgen. Bei Pferden mit PSSM ist dieser Speicherprozess gestört.

Es gibt zwei Formen: PSSM Typ 1 und PSSM Typ 2. Das klinische Erscheinungsbild ist bei beiden Formen ähnlich, jedoch ist PSSM1 erblich bedingt 3. Typ 1 wird durch eine Mutation im Gen der Glykogensynthase verursacht.

PSSM1 kommt in verschiedenen Rassen vor, zeigt jedoch eine besonders hohe Prävalenz bei Rassen wie dem Belgisches Kaltblut 4. PSSM2 tritt bei unterschiedlichen Pferderassen auf.

Mögliche Symptome sind geringe Leistungsbereitschaft, Widerwillen vorwärtszugehen, Muskelsteifheit, starkes Schwitzen, Muskelabbau und Muskelzittern.

Die Diagnose kann mittels Muskelbiopsie gestellt werden, da hierdurch eine Glykogenanreicherung im Muskel nachgewiesen werden kann. PSSM1 kann zusätzlich durch einen Gentest bestätigt werden 3. Für PSSM2 ist derzeit kein zuverlässiger Gentest verfügbar. Ein Gentest zur Feststellung von PSSM2 gilt daher aktuell als nicht zuverlässig.

Eine Heilung von PSSM ist derzeit nicht möglich. Ein angepasstes Fütterungs- und Trainingsmanagement ist jedoch entscheidend, um Schübe zu reduzieren und das Pferd bestmöglich zu unterstützen.

Aufgrund der gestörten Glykogenspeicherung ist es wichtig, den Zucker- und Stärkegehalt in der Ration deutlich zu reduzieren 5. Die Grundlage bildet Raufutter mit niedrigem Zucker- und Stärkegehalt. Eine Raufutteranalyse kann helfen, die entsprechenden Werte zu bestimmen. Da Raufutter allein den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen nicht vollständig deckt, empfiehlt sich die Ergänzung durch einen Mineralfutter-Balancer oder ein Vitamin- und Mineralstoffpräparat. Zudem haben Pferde mit PSSM einen erhöhten Bedarf an Vitamin E, weshalb eine Supplementierung empfohlen wird 6. Regelmäßige, angepasste Bewegung ist ebenfalls wichtig. Die Trainingsintensität sollte jedoch moderat gehalten werden 7.

Recurrent Exertional Rhabdomyolysis

Die Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER) ist eine wiederkehrende Muskelerkrankung, bei der die Regulation des Kalziumhaushalts innerhalb der Muskelzellen gestört ist 8. Kalzium ist essenziell für die Muskelkontraktion. Bei Pferden mit RER ist diese Regulation beeinträchtigt (nicht durch einen Fütterungsmangel verursacht), wodurch es zu anhaltenden Muskelkontraktionen, Krämpfen und Schmerzen kommt 9. Zusätzlich wird der Energiestoffwechsel der Muskeln gestört, die Mitochondrien werden geschädigt und Muskelzellen können beschädigt werden 10. Die Erkrankung ist komplex; genetische Faktoren sowie Stress oder zu intensive Trainingsbelastung scheinen eine Rolle zu spielen. Die genaue Ursache ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Symptome sind Muskelsteifheit, harte und schmerzhafte Muskulatur infolge von Muskelschäden, erhöhte Atemfrequenz, starkes Schwitzen sowie Bewegungsunlust oder -verweigerung 9.

Auch hier bildet Raufutter die Basis der Ration. Im Vergleich zu PSSM ist der Zucker- und Stärkegehalt weniger entscheidend 6. Dennoch wird empfohlen, Zucker- und Stärkegehalte niedrig zu halten und übermäßige Mengen zu vermeiden, da hohe Anteile das Temperament beeinflussen können. Da Stress ein Auslöser für RER-Schübe sein kann, empfiehlt sich eine Ration mit maximal 20 % Zucker und Stärke 6. Zur Deckung eines erhöhten Energiebedarfs können pflanzliche Öle wie Leinöl eingesetzt werden. Ein Mineralfutter-Balancer oder Vitamin- und Mineralstoffpräparat wird ebenfalls empfohlen.

Myofibrilläre Myopathie (MFM)

Muskelzellen bestehen aus Myofibrillen, die für die Kontraktion verantwortlich sind. Diese sind normalerweise geordnet ausgerichtet. Das Protein Desmin sorgt für diese Struktur.

Bei der Myofibrillären Myopathie (MFM) kommt es zu einer abnormalen Anreicherung von Desmin im Muskel 11. Dadurch verklumpen die Myofibrillen und ihre geordnete Struktur geht verloren 12. Dies führt zu Symptomen wie Muskelsteifheit und Bewegungsunlust.

MFM ist eine relativ neu beschriebene Erkrankung beim Pferd 13. Sie tritt vor allem bei Warmblütern und Arabern auf. Früher wurden betroffene Pferde häufig als PSSM2 diagnostiziert, da sich Glykogen zwischen den verklumpten Myofibrillen ansammelt 11 14. Heute weiß man, dass die zugrunde liegende Ursache eine andere ist und diese Erkrankung unter MFM und nicht unter PSSM2 eingeordnet wird.

Die Diagnose erfolgt mittels Muskelbiopsie. Da derzeit noch viel Forschung betrieben wird, kann mit dem aktuellen Wissensstand nicht gesagt werden, ob die Erkrankung genetisch bedingt ist. Ein Gentest wird daher nicht empfohlen, da er keine sichere Diagnose ermöglicht.

Die Ration sollte ausreichend hochwertiges Protein enthalten 11. Da vermutlich oxidativer Stress eine Rolle spielt, ist die Ergänzung mit Antioxidantien sinnvoll 11. Nährstoffe mit antioxidativer Funktion sind unter anderem Vitamin E, Vitamin C und MSM.

Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HYPP)

Die Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HYPP) ist eine genetische Muskelerkrankung, die vor allem bei Rassen wie dem American Quarter Horse, dem American Paint Horse und dem Appaloosa vorkommt 15. Bei HYPP ist der Natriumtransport in die und aus den Muskelzellen gestört. Dies führt zu erhöhten Kaliumwerten im Blut, wodurch die Muskeln schneller kontrahieren als normal 16. Dies verursacht unkontrollierte Muskelkontraktionen und Zittern 16. Die Symptome variieren je nach Pferd und Schweregrad der Erkrankung. Häufige Anzeichen sind Muskelzittern, starkes Schwitzen, allgemeine Schwäche, Gähnen oder Schwäche der Hinterhand. In schweren Fällen kann auch die Atmung betroffen sein, was sich in lauter Atmung äußert 15. Stress oder eine kaliumreiche Fütterung können Anfälle begünstigen.

Da HYPP genetisch bedingt ist, erfolgt die Diagnose mittels Gentest. Dabei wird festgestellt, ob die spezifische Mutation vorliegt und ob das Pferd heterozygot (ein Allel) oder homozygot (zwei Allele) ist 15.

Die Ration sollte nicht mehr als 1 % Kalium enthalten. Auch hier bildet kaliumarmes Raufutter die Basis 6. Ergänzend können ein Mineralfutter-Balancer oder Vitamin- und Mineralstoffpräparate eingesetzt werden. Zur Energieversorgung können pflanzliche Öle wie Leinöl dienen. Bei der Gabe von Elektrolyten – insbesondere im Sommer bei vermehrtem Schwitzen – ist Vorsicht geboten, da diese in der Regel Kalium enthalten.

Atypische Myopathie

Die Atypische Myopathie (AM) ist eine lebensbedrohliche Muskelerkrankung, die durch die Aufnahme des Toxins Hypoglycin A (HGA) entsteht. Pferde nehmen dieses Gift durch das Fressen von Blättern, Samen oder Keimlingen von Ahornbäumen auf. Lesen Sie mehr über AM im Blog: Atypische Myopathie: Ursache, Behandlung und Prävention.

 

Referenzen

1.           Naylor, R.J. (2015) Polysaccharide storage myopathy – the story so far. Equine Vet Educaction, 27(8):414-419.

2.           Hollands, T., Drury, L. (2023) Chapter 12 - Feeding the Performance Horse. In: Hollands, T., Drury, L. Evidence Based Equine Nutrition A Practical Approach For Professionals. CAB International.

3.           Finno, C.J. (2025) Genetics of Muscle Disease. Veterinary Equine Clinic, 41:17-29.

4.           McCue, M.E., Valberg, S.J., Lucio, M., Mickelson, J.R. (2008) Glycogen Synthase 1 (GYS1 ) Mutation in Diverse Breeds with Polysaccharide Storage Myopathy. Journal of Veterinary Internal Medicine, 22(5): 1228-1233.

5.           Pagan, J.D., Valberg, S.J. (2020) Feeding Performance Horses with Myopathies. AAEP Proceedings, 66:66-74.

6.           Urschel, K.L., McKenzie, E.C. (2021) Nutritional Influences on Skeletal Muscle and Muscular Disease. Veterinary Equine Clinic, 37:139-175.

7.           Williams, Z.J., Bertels, M., Valberg, S.J. (2018) Muscle glycogen concentrations and response to diet and exercise regimes in Warmblood horses with type 2 Polysaccharide Storage Myopathy. PLOS One, 13(9):1-17.

8.           McKenzie, E.C., Valberg, S.J., Godden, M,G., Pagan, J.D., MacLeay, J.M., Geor, R.J., Carlson, G.P. (2003) Effect of Dietary Starch, Fat, and Bicarbonate Content on Exercise Responses and Serum Creatine Kinase Activity in Equine Recurrent Exertional Rhabdomyolysis. J Vet Intern Med, 17:693-701.

9.           Valberg, S.J. (2025) Sporadic and Recurrent Exertional Rhabdomyolysis. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 41(1):111-124.

10.         Barrey, E., Jayr, L., Mucher, E., Gospodnetic, S., Joly, F. (2011) Transcriptome analysis of muscle in horses suffering from recurrent exertional rhabdomyolysis revealed energetic pathway alterations and disruption in the cytosolic calcium regulation. Animal Genetics, 43: 271-281.

11.         Pratt-Philips S. (2025) Nutritional considerations for equine myopathies. UK-VET Equine, 9(5):198-203.

12.         Williams, Z.J., Velez-Irizarry, D., Petersen, J.L., Ochala, J., Finno ,C.J., Valberg, S.J. (2020) Candidate gene expression and coding sequence variants in Warmblood horses with myofibrillar myopath. Equine Veterinary Journal, 53(2):306-315.

13.         Valberg, S.J., Nicholson, A.M., Lewis, S.S., Reardon, R.A., Finno, C.J. (2017) Clinical and histopathological features of myofibrillar myopathy in Warmblood horses. Equine Veterinary Journal, 49(6).

14.         Valberg, S.J., McKenzie, E.C., Eyrich, L.V., Shivers, J., Barnes, N.E., Finno, C.J. (2016) Suspected myofibrillar myopathy in Arabian horses with a history of exertional rhabdomyolysis, 48(5): 548-556.

15.         Finno, C.J., Spier, S.J., Valberg, S.J. (2009) Equine diseases caused by known genetic mutations. Veterinary Journal, 179(3):336-347.

16.         Naylor, J.M. (1994) Equine hyperkalemic periodic paralysis: Review and implications. The Canadian Veterinary Journal, 35(5):279-285.